CANTI GENERALI

Verehrte Freundinnen und Freunde der Singakademie,

mit großer Freude darf ich Ihnen das neue Jahresprogramm vorstellen, das mit herausragenden Werken, interessanten Entdeckungen und neuen Impulsen die lange Linie unserer repräsentativen Konzerte und Veranstaltungen fortsetzen wird.

Der 100. Jahrestag des Kriegsendes von 1918 prägt das Motto, unter dem die Konzerte der Singakademie zusammengefasst werden. Mit Pablo Neruda, Mikis Theodorakis, Wilfred Owen, Benjamin Britten, mit Johannes Brahms, Karol Wojtyla, Erich Fried, Lothar Voigtländer, mit den Autoren der Bibel und vielen anderen können wir sagen: Große Dichtkunst, große Musik antwortet in der Sprache des Friedens weltumspannend auf die Sprache der Gewalt. Große, auch: „allgemeine Gesänge“ prägen dieses Bemühen: CANTI GENERALI! Der Glaube an die Macht der Musik und der Poesie ist ein Leitstern, der Menschen in aller Welt in ihrem Einsatz gegen Krieg und Gewalt verbindet. In Dresden wussten gerade Heinrich Schütz, Christoph Ludwig Fehre und Rudolf Mauersberger, was Zerstörung bedeutet – auch sie haben dagegen komponiert. „Musik gegen den Krieg“ wird ein Hauptthema des Jahresprogramms sein und den Chor mit vielen Partnern, vor allem auch jungen Menschen, zusammenführen.

Musik gegen den Krieg

Der berühmte Canto General von Pablo Neruda kann als eine der bedeutendsten Dichtungen des 20. Jahrhunderts angesehen werden, die Vertonung durch Mikis Theodorakis wiederum als eines der großartigsten und gleichzeitig individuellsten Oratorien volkstümlichen Charakters. Mit dem griechischen Komponisten Theodorakis hat die Singakademie eine längere Geschichte: Bereits 1982 erklang unter sei- ner Leitung das Oratorium Axion Esti, später die 7. Sinfonie. Eine mehrwöchige Reise mit dem Komponisten führte mit weiteren Werken durch viele europäische Länder.

Mit Benjamin Brittens War Requiem hat sich die Singakademie 2013 in einer denkwürdigen Aufführung auseinandergesetzt. Die Idee, das Werk erneut ins Programm zu nehmen, hat insbesondere zwei Gründe: Die Singakademie möchte mit diesem Werk einerseits junge Menschen begeistern – andererseits ist der Symphony Choir Johannesburg an einer Kooperation mit diesem Stück interessiert. Es wird einen Choraustausch mit diesem bedeutenden südafrikanischen Chor geben. Geplant ist eine „weltumspannende“ Aufführungsserie mit der Singakademie Dresden, dem Symphony Choir Johannesburg, dem Philharmonia Choir of Cape Town, dem Landesjugendorchester Sachsen und Musikern aus Südafrika. Die Konzerte erklingen in Dresden, Leipzig, Johannesburg und Kapstadt. Damit werden nicht zuletzt Brittens Intentionen und die Idee der Versöhnung ganz in seinem Sinne musiziert und transportiert.

Dresdner Repertoire

Der Einsatz für das spezielle Repertoire in Dresden wirkender Komponisten gehört zum Selbstverständnis des Chores. Nach der erfolgreichen Produktion der neuen CD mit Rudolf Mauersbergers A-cappella-Werk Geistliche Sommermusik wird dieses 1948 entstandene Werk während einer Pfingsttournee in verschiedenen sächsischen Städten vorgestellt. Der Lobpreis der Natur unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges kann in seiner einfachen Frömmigkeit auch als ein Ansingen gegen Krieg und Gewalt interpretiert werden, die Mauersberger und der von ihm geleitete Kreuzchor selbst schmerzlich erlebt hatten.

Der Kammerchor setzt seinen Einsatz für den noch weitgehend unbekannten Komponisten Christoph Ludwig Fehre fort, der 2018 seinen 300. Geburtstag hätte und als städtischer Musiker an der Dresdner Annenkirche wirkte. Auch seine Musik ist vom Krieg beeinflusst worden: Die Annen- kirche und weite Teile der Innenstadt wurden im Siebenjährigen Krieg, der von Historikern oft als erster Weltkrieg der Geschichte angesehen wird, zerstört. Fehre war es, der das Gotteshaus 1769 musikalisch wieder einweihen durfte. Es gibt viele Gründe, sein Werk genauer zu beleuchten: Zur Aufführung kommen sein Passionsoratorium, eine Adventskantate sowie im Konzert des Kinderchores die berühmte Schulmeisterkantate, die nicht von G. Ph. Telemann ist, sondern von Fehre, wie es die Musikwissenschaft mittlerweile belegen konnte.

Kontraste und Nachwuchsförderung

Den Werken des großen Repertoires werden – wie in den letzten Jahren üblich – moderne Kontraste gegenübergestellt. So erklingt vor dem Requiem von Brahms eine Komposition von Lothar Voigtländer sowie im Kontext des Adventssterns 2018 die Uraufführung eines Auftragswerkes von Alberto Arroyo, Kompositionsstudent an der HfM Dresden, der die Reihe neuer Werke zum Weihnachtsfest aus der Feder junger und jüngster Komponisten fortsetzt. Bei der Aufführung des Requiems von Brahms wird mit dem Kammerchor des Pestalozzi-Gymnasiums Heidenau jungen Sängerinnen und Sängern die Möglichkeit gegeben, große Chorsinfonik zu erleben und mitzugestalten. Der Chor war im letzten Jahr auch Partner des Projekts „ChorALARM“ an der Semperoper Dresden. Wie in den zurückliegenden Jahren werden junge Künstlerinnen und Künstler als Solisten im Mittelpunkt der Konzerte stehen, so z. B. im Requiem von Brahms, wenn die aus der Singakademie hervorgegangene 1. Preisträgerin des „Podiums Junger Gesangssolisten des VDKC 2017“ Johanna Knauth zusammen mit dem Dresdner Absolventen Georg Streuber die Solo-Partien darbieten. Mit Robert Schad und Jan Arvid Prée wirken zwei Studenten der HfM Dresden als Assistenten des Chores; Robert Schad leitet mit großem Erfolg auch den Seniorenchor.

Der Chornachwuchs wird im Kinderchor von der Kinderchorspezialistin Claudia Sebastian-Bertsch betreut, die mit ihren vielfältigen Aktivitäten aus dem Konzertleben in Dresden nicht mehr wegzudenken ist. Seit über 20 Jahren leitet sie den Nachwuchsbereich innerhalb der Singakademie und sorgt damit für eine gerade in diesem sensiblen Bereich sehr stabile Situation sowie attraktive künstlerische Herausforderungen. Dazu gehört 2018 neben den eigenen Konzerten die Beteiligung am Projekt War Requiem, an den Aufführungen von Carmina Burana.

Reflexionen

Der besondere Anspruch der Singakademie ist es, Musik nicht nur erklingen zu lassen, sondern Sängerinnen und Sängern sowie Hörerinnen und Hörern zusätzlich vermittelnde, reflektierende Informationen und Angebote anzubieten. Die neu eingeführte Reihe der Reflexionen wird mit Veranstaltungen zu Theodorakis‘ Canto General, Brittens War Requiem und zum Programm des Adventssterns mit der Wiederaufführung eines Werkes von Christoph Ludwig Fehre sowie einer Uraufführung fortgesetzt. Ort und Zeit dieser Veranstaltungen entnehmen Sie bitte den aktuellen Veröffentlichungen vor den jeweiligen Konzerten.

Generationenübergreifendes Programm

Die Aktivitäten der Singakademie werden ergänzt und belebt von den Projekten des Seniorenchores, der unter eigener Leitung und mit eigenem Profil Veranstaltungen bestreitet. Höhepunkte sind die gemeinsamen Auftritte in Konzerten mit dem Kinderchor, wo der generationenübergreifende Gedanke ganz besonders im Vordergrund steht und Jung und Alt miteinander musizieren. Die Senioren haben ebenso die Möglichkeit, an Werken wie Orffs Carmina Burana oder Beethovens 9. Sinfonie mitzuwirken.

Wir freuen uns auf Ihr Interesse und Ihre Unterstützung für die Konzerte und Aktivitäten von Sachsens größtem Laienchor!

Ihr Prof. Ekkehard Klemm
Künstlerischer Leiter

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